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In der Ausgabe 01/2012 berichtete das Kälte-Klima-Magazin KKA über unsere Montagesituation im Ristorante Dolomiti:

Beim Ristorante Dolomiti bot sich dem Kälte24-7-Team eine komplexe Problemstellung, die eine umfassende Lösung erforderte. Die Kühl- und Kältetechnik wurde von der Wärmeentwicklung und der fettigen Abluft des Restaurantbetriebs negativ beeinflusst. Die Folge: häufige Ausfälle und Reparaturkosten. Durch eine ganzheitliche Betrachtung konnte eine Lösung gefunden werden, die auch mit Blick auf die Lebenszykluskosten wirtschaftlich und praxisgerecht ist.

Ist-Situation

Die Ist-Situation in dem sehr gut laufenden Restaurant stellte sich wie folgt dar: Im Keller steht ein Kühlzellenverbund aus einem Tiefkühlraum und zwei Pluskühlräumen. In der Küche oben ist ein Kühlraum untergebracht. Am Grill stehen zwei Unterbaukühltische und am Tresen stehen zwei Kühltresen und eine Kühlwanne. Die gesamten Kühlstellen werden durch sechs Aggregate versorgt, dabei kommen unterschiedliche Kältemittel zum Einsatz – angefangen bei R12 über R22 bis hin zu R134a und R404A. Die Aggregate stehen alle im Keller auf dem Kühlzellenverbund.

Problem: Wärme und Fett

Das Kundenproblem war folgendes: Die Wärmeentwicklung durch die Aggregate im Keller war enorm. Hinzu kamen noch zwei steckerfertige Kühlschränke, fünf Tiefkühltruhen, ein Kombidämpfer und ein Vierer-Glühplattenherd, die zusätzliche Wärme in den Keller einbringen. Durch den Herd und den Kombidämpfer saugen die Aggregate auch zusätzlich fettige Luft an. Die Verflüssiger verfetten und werden die Wärme noch schlechter los. Daraus resultierte ein enorm hoher Reparaturaufwand und die damit verbundenen Kosten. Nachdem der Kunde seinen Pachtvertrag verlängert hatte und damit Planungssicherheit hatte, fanden mehrere Gespräche statt, in denen ein Lösungsansatz gesucht wurde. Der Kunde war die ewigen Ausfälle und Reparaturen leid und wollte verschiedene Alternativen aufgezeigt bekommen. Die Ansätze reichten von einem Sammelverflüssiger, der an der Außenwand der angrenzenden Garage gesetzt werden könnte, um die Wärme der Aggregate aus dem Keller zu bekommen, über einen Mini-Verbundsatz bis zu einem Digital-Scroll. Pro und Contra wurden diskutiert und der Kunde intensiv beraten. Einig war man sich anfangs nur darüber, dass die Wärme ausgelagert werden muss und dass dafür bautechnisch nur die Außenwand der angrenzenden Garage in Frage kommt. Gegen den Sammelverflüssiger sprachen die langen Rohrwege zur Außenwand, pro Leitung ca. 40 m. Der Montageaufwand – die Leitungen müssten in einer abgehängten Decke verlegt werden – wäre enorm und würde die relativ geringen Anschaffungskosten wieder sprengen. Desweiteren wären nach wie vor sechs Kompressoren auf den Kühlzellen zusammen mit den Kopflüftern. Hier sahen sowohl der Kunde als auch wir weiterhin eine zu hohe Anfälligkeitsrate und damit verbundene Reparaturkosten.

Lösungssuche

Gegen den Miniverbundsatz sprachen sowohl die Anschaffungskosten als auch die Lebenszykluskosten. Da war der Kunde schnell und einfach überzeugt, dass eine stufenlose Regelung der angeforderten Kälteleistung wesentlich wirtschaftlicher ist, als eine 25 %- bzw. 33 %-Schaltung, verteilt über mehrere Kompressoren. Deshalb haben wir uns einen Digital-Scroll angeschaut. Doch hier wurde schnell klar, da die meisten Kühlstellen auf R134a laufen würden, dass dieser nicht in Frage kommt. Die passende Alternative war einfach und schnell gefunden. Ein Verflüssigungssatz von Bock mit aufgebautem Frequenzumformer überzeugte sowohl in den Anschaffungskosten als auch in den Lebenszykluskosten. Auf Wunsch des Kunden wurden ein Kühlhaus im Keller und das Kühlhaus in der oberen Küche separat auf ein weiteres Aggregat gelegt, um im Falle eines Ausfalls des Verflüssigungssatzes noch Ausweichmöglichkeiten zu haben.

Das nächste Problem

Nachdem die Anlagen berechnet waren und der Kunde den verbindlichen Auftrag erteilt hatte, wartete die nächste Herausforderung auf das Team. Der Umbau musste während des laufenden Betriebes stattfinden und möglichst ohne das Restaurantteam zu stören. So wurden die Rohre für beide Anlagen vorverlegt und die Aggregate gesetzt und verkleidet. Dann wurden die Anlagen in zwei Schritten umgerüstet. Zuerst wurden die beiden Kühlhäuser umgeklemmt.  Gleich morgens wurde das Kühlhaus oben in der Küche von R22 auf R404A umgebaut durch den Austausch des Expansionsventils. Als die Küchencrew kam, war das Team schon wieder aus der Küche verschwunden.  Die Anlage wurde umgeschlossen, ohne dass es jemand mitbekommen hatte. Ein Startregler verhindert hier das Absinken des Verdampfungsdruckes beim Abschalten einer Kühlstelle. Der zweite Umschluss dauerte natürlich etwas länger, lief aber nach dem gleichen erfolgreichen Schema ab. Bevor an einer Kühlstelle vom Restaurant-Team gearbeitet wurde, hatte das „Team Kälte“ schon das Expansionsventil erneuert. Auch dieser Umschluss erfolgte, ohne dass sich jemand gestört fühlte.  Die Anlage übertrifft bisher alle Erwartungen. Die monatlichen Stromkosten des Kunden haben sich derzeit um Brutto 300 € reduziert. Das ist ein nicht zu erwarten gewesener  Betrag und steigert die Berechnung der Lebenszykluskosten enorm. Das zeigt hoffentlich wieder einmal, dass nicht nur die Anschaffungskosten betrachtet werden dürfen, sondern gerade in Zeiten steigender Energiekosten die Lebenszykluskosten berücksichtigt werden müssen.

Kalkulierte Vorteile

Die Danfoss-Info-Tour stellt auf acht Jahre gesehen folgende Rechnung auf: 16 % sind Investitionskosten, 4 % sind Wartungskos­ten und 80 % sind Stromkosten. Da verwundert es wohl niemanden mehr, dass das Ristorante Dolomiti sich über die enorme Einsparung bei den Stromkosten freut. Dabei sind das nur die offensichtlichen, kurzfristig messbaren Verbesserungen. Durch den Einsatz eines Frequenzumformers haben wir stabile Betriebsbedingungen und dadurch eine verbesserte Systemeffizienz. Dadurch können wir die mittlere Verdampfungstemperatur um ca. 2 K anheben und haben dadurch ca. 6 % Verbesserung der Jahresleis­tungszahl (laut Bericht der Firma Bitzer). Danfoss rechnet bei 3 % Verbesserung der Kälteleistungszahl eine Einsparung komponentenbereinigt von 1200 € pro Jahr – macht rein rechnerisch 2400 € pro Jahr. Damit hat der Kunde den Mehrinvest für einen Frequenzumformer im ersten Jahr schon wieder heraus. Die Einsparungen für nicht mehr notwendige Reparaturen durch überhitzte Aggregate wären rein theoretisch und werden hier nicht mit eingerechnet, werden sich aber im Portemonnaie des Kunden auf die ein oder andere Weise widerspiegeln.

Fazit

Nur durch die Gesamtbetrachtung, unter Einbeziehung der Lebenszykluskosten, konnte der Kunde überzeugt werden, eine nicht unerhebliche Summe Geld in die Hand zu nehmen und zu investieren. Dadurch konnte aber eine sogenannte Win-Win-Situation geschaffen werden. Der Kunde hat eine moderne wirtschaftliche Anlage und wir konnten einen Auftrag realisieren, den andere Firmen nicht bekommen haben, da diese nur auf die Anschaffungskosten hingewiesen und ein liebloses Angebot abgegeben haben. Das Einbeziehen des Kunden und das Aufzeigen verschiedener Möglichkeiten, sowie das offene und ehrliche Hinweisen auf die Stärken und Schwächen der verschiedenen Möglichkeiten haben den Wettbewerbsvorteil ausgemacht.